UF-3D-Foto Logo

Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie

Die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis Mitte der 1960er Jahre

Nach sechsjähriger Unterbrechung nahm die Deutsche Gesellschaft für Stereoskopie e. V. 1951 in Berlin ihre Tätigkeit unter der Leitung ihres langjährigen früheren Vorsitzenden Dr.-Ing. Lüscher wieder auf, nachdem die einschlägigen alliierten Bestimmungen gelockert worden waren. Vorerst blieb sie jedoch auf Berlin beschränkt.
Die Geschäftsstelle hatte wie zuletzt vor Kriegsende ihre Anschrift in Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 87.

Porträt von Dr.-Ing. Hermann Lüscher
Abbildung 3.1

Da man noch kein neues Vereinsorgan besaß, wurden zunächst Fachaufsätze zur Stereoskopie und die Informationen der DGS in der Zeitschrift "Die Fotografie" veröffentlicht, die im Verlag Wilhelm Knapp in Halle an der Saale erschien.

Als erste Veranstaltung fand am 1. Februar 1951 im Restaurant "Kistenmacher" in Berlin-Wilmersdorf, Bundesplatz 2, die erste Mitglieder-Hauptversammlung nach dem Krieg statt. In Würdigung seiner Verdienste um die Verbreitung stereoskopischer Verfahren sowohl in der Liebhaberfotografie als auch besonders in Messtechnik und Wissenschaft wurde Dr.-Ing. Lüscher (Abbildung 3.1) dort zum Ehrenpräsidenten der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie ernannt.
Die Versammlung schloss mit einer Vortragssitzung ab. Dort wurden Stereoneuheiten wie die Kleinbild-Stereokamera "Iloca" gezeigt und Stereoprojektionen durchgeführt.

Titelblatt der Zeitschrift Fotopost
Abbildung 3.2

Die weiteren Vereinsabende fanden zunächst, wie schon vor Kriegsende, im Lette-Vereinshaus am Viktoria-Luise-Platz in Berlin statt. Zu den Vereinsabenden wurden auch wieder Fachvorträge gehalten. So sprach zum Beispiel in den ersten Abenden Walter Selle über "Neues auf dem Gebiet der Stereoskopie in aller Welt" und Dr. Zöllner vom Carl Zeiss VEB Jena über "Das neue Zeiss-Stereoverfahren für Kleinbildkameras".

Bei der Suche nach einem Partner für ein neues Vereinsorgan wurde man beim Fotopost-Verlag Bernhard Meissner in Mannheim fündig. Ab August 1952 erschien in der in diesem Verlag herausgegebenen Zeitschrift "Fotopost" (Abbildung 3.2) eine Rubrik "Der Stereoskopiker" (Abbildung 3.3) als Vereinsorgan der DGS.
"Der Stereoskopiker" erschien nicht wie die Vorkriegsausgaben als Beilage in dieser Zeitschrift, sondern war über den Textteil auf verschiedene Seiten verteilt. Das beeinträchtigte die Übersicht mitunter. Hinzu kam, dass ab 1957 die Mitteilungen der DGS in der Beilage "VDAV-Nachrichten" erschienen.
Der Vorstand betrachtete diese Lösung nur als Übergang. Ziel war es, aus dem beschränkten Rahmen herauszukommen und mit der Zeit eine eigenständige Fachzeitschrift für Stereoskopie zu schaffen. Dazu wurden alle an der Stereoskopie interessierten Kreise zur Mitarbeit aufgerufen.

Die Berliner Stereofreunde trafen sich zusätzlich zu den Vereinsabenden an jedem 2. und 4. Donnerstag eines Monats zu einem zwanglosen Gedankenaustausch im Bierhaus "Nordland" in der Droysenstraße 1. Damit fanden auch die Stereo-Stammtische, wie sie vor dem Krieg stattgefunden hatten, eine Fortsetzung.

Titelblatt der Beilage Der Stereoskopiker in der Fotopost
Abbildung 3.3

Auch gemeinsame Stereoausflüge in den Sommermonaten fanden wieder statt.

Die Mitgliedsbeiträge waren in dieser Zeit vierteljährlich zu entrichten. Der Bezug der Zeitschrift "Fotopost" war freigestellt.
Der Beitrag gliederte sich wie folgt:

a) Für Berliner Mitglieder mit "Fotopost"-Bezug 4 DM pro Quartal
Für Berliner Mitglieder ohne Zeitschriftenbezug 3 DM pro Quartal
b) Für auswärtige Mitglieder mit "Fotopost"-Bezug 3,10 DM pro Quartal
Für auswärtige Mitglieder ohne Zeitschriftenbezug 1,50 DM pro Quartal
c) Für korporative Mitglieder mit "Fotopost"-Bezug 12 DM pro Quartal

Ab 1954 konnte der Mitgliedsbeitrag wahlweise halbjährlich oder jährlich gezahlt werden. Neue Mitglieder mussten eine Aufnahmegebühr von 2 DM entrichten.

Die Mitglieder-Hauptversammlung am 19. März 1953 wählte William Gruber in Portland (Abbildung 3.4), den Schöpfer des View-Master-Stereo-Kleinstbildsystems, sowie Ernst Schlumberger (Abbildung 3.5) zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft. Schlumberger gehörte seit 25 Jahren dem engeren Vorstand an, und seine stereofotografischen Leistungen wurden wiederholt durch die Verleihung der Meisterschaft anerkannt.

25-jähriges Jubiläum der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie

Am 20. und 21. März 1953 fand die Feier zum 25-jährigen Bestehen der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie in Berlin statt. In seiner Begrüßungsansprache vor den zahlreich erschienenen Besuchern konnte der Vorsitzende Dr.-Ing. Lüscher auch die anwesenden Vertreter der Besatzungsmächte, der Behörden und Lehranstalten sowie verwandter Gesellschaften begrüßen. Nach einem Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre machte der Redner darauf aufmerksam, dass es zwei große Gruppen von Anhängern der Fotografie gibt: die Gruppe der Kunstgestalter und diejenigen, die den dokumentarischen Wert eines Bildes in den Vordergrund stellen. Von der zweiten Gruppe lebt die Fotoindustrie, und aus ihr können auch diejenigen gewonnen werden, die für das Raumbild zu begeistern sind. Der Redner zeigte sich hoffnungsvoll, dass die Stereoskopie bald weite Verbreitung finden werde.
Im Anschluss an die Ausführungen von Dr.-Ing. Lüscher wurden Fachvorträge zu folgenden Themen gehalten:

Herr Dr. Böhme Grundlagen der Mikrostereoskopie
Herr Dr. Helmcke Stereoaufnahmen mit dem Elektronenmikroskop
Mit Vorführung von Raumbildern
Herr Dr. Metzner Stereoröntgenaufnahmen mit der Kinokamera
Herr Prof. Kahlau Die Theorie der Stereoskopie
Herr Walter Selle 100 Jahre Raumbildwurf

An seinen mit vielen Lichtbildern untermalten Vortrag schloss Walter Selle eine Vorführung eines amerikanischen Farbfilms über die Herstellung, Wirkung und Verwendung von Polarisationsfiltern an.

Porträt von William Gruber
Abbildung 3.4

Vor überfülltem Zuschauerraum führte "Böhner-Film" drei mit dem Zeiss-Ikon-System aufgenommene Stereofilme vor.
Weiterhin konnten Auslagen namhafter Hersteller stereoskopischer Geräte besichtigt werden. Der Abend des 21. März vereinte nochmals alle teilnehmenden Stereoskopiker zu einem fröhlichen Beisammensein mit Musik, Tanz, Tombola und guter Laune bis weit in den nächsten Tag hinein. In einem Gedicht wurden einige verdiente Mitglieder der Gesellschaft in humorvoller Art gewürdigt.

1953 rief die Deutsche Gesellschaft für Stereoskopie erstmals nach dem Krieg wieder zu einem Leistungswettbewerb mit Einsendeschluss am 31. Oktober 1953 und unter dem Motto "Meine sechs besten Stereobilder des Jahres" auf.
Teilnehmen konnte jeder Stereo-Amateur, gleichgültig, ob er einem Fotoverein angehörte oder nicht.
Für die Mitglieder der DGS wurden die Bilder zusätzlich für die Verleihung der "Meisterschaft für 1953" gewertet.
Der Einsendeschluss wurde auf den 30. November verlängert. Bei diesem ersten Wettbewerb nach dem Krieg blieben sowohl die Beteiligung als auch die Qualität der Bilder hinter den Erwartungen zurück.
Sieger des Wettbewerbs und damit auch Gewinner der Meisterschaft der DGS für 1953 wurde Ernst Schlumberger (Abbildung 3.5) aus Berlin-Grunewald. Auf der Hauptversammlung am 19. Februar 1954 wurde ihm dafür die Silberne Vereinsmedaille der DGS verliehen.

Porträt von Ernst Schlumberger
Abbildung 3.5

Mitglieder-Hauptversammlungen fanden wie bereits vor dem Krieg einmal zu Beginn eines Jahres statt, verbunden mit der Wahl eines neuen Vorstands.
Auf der Hauptversammlung am 19. Februar 1954 konnte bekannt gegeben werden, dass die Mitgliederzahl von 104 auf 140 angestiegen war.
Zu dieser Zeit wurde die DGS-Kasse in DM-West und DM-Ost geführt, da einige vor dem Krieg eingetretene Mitglieder wie zum Beispiel Dr. Werner Pietsch in Ostdeutschland wohnten.

In Verbindung mit der "photokina" fand am 7. und 8. April 1954 eine Jahrestagung der DGS in Köln statt. Auf dem Programm standen Fachvorträge, eine Mitgliederversammlung mit Aussprache über Ortsgruppengründungen in Westdeutschland sowie ein geselliges Beisammensein. Der Vorstand wertete die Veranstaltung als vollen Erfolg.
Besonders begrüßte die DGS, dass auf der "photokina" 1954 eine Reihe stereoskopischer Geräte aus Deutschland zu sehen waren.
Um zu den recht teuren Stereokameras eine preiswerte Alternative zu schaffen, entwickelte Robert Anderle in Zusammenarbeit mit der DGS eine Stereokamera, die von der Rhein-Optik GmbH zu einem Preis unter 100 DM herausgebracht werden sollte (Abbildung 3.6). Die Kamera war als Modellausführung auf der "photokina" zu sehen, kam aber nie auf den Markt.
Darin kommt erneut das Bestreben der DGS zum Ausdruck, die Stereoskopie mit einer Volks-Stereokamera populärer zu machen.

Modell der geplanten Rhein-Optik-Stereokamera
Abbildung 3.6

Zum 1. September 1954 wechselte die Anschrift der Geschäftsstelle in die Fechnerstraße 6 in Berlin-Wilmersdorf.

Auch 1954 wurde wieder zu einem Leistungswettbewerb aufgerufen. Die Bedingungen waren von Jahr zu Jahr etwa gleich. Stellvertretend finden Sie hier den Aufruf zum Leistungswettbewerb für 1954.
Im Vergleich zu den anderen Jahren war die Beteiligung an diesem Leistungswettbewerb etwas besser, ließ aber immer noch zu wünschen übrig. Die Qualität der Einsendungen hatte sich gegenüber dem Vorjahr verbessert. Das Preisgericht, bestehend aus Dr.-Ing. Lüscher, Oberbaurat Köhr und Dr. Böhme, konnte die Auszeichnungen mit einer Reihe von Preisen verbinden, die die einschlägige Industrie gestiftet hatte.
Der 1. Preis, verbunden mit der Meisterschaft der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie für 1954, ging an Professor Dr. Hohenleitner aus Innsbruck.

Am 7. Januar fand die Jahreshauptversammlung für 1955 statt. Es konnte festgestellt werden, dass die Mitgliederzahl von 140 auf 187 weiter angestiegen war. Da die Vorstandsarbeit mit nicht unerheblicher ehrenamtlicher Arbeit verbunden ist, wurde beschlossen, die Vorstandsmitglieder für die Dauer ihrer Amtszeit von der Beitragspflicht zu befreien.
Weiterhin wurden auf dieser Hauptversammlung Fritz Gruber aus Köln für seine tatkräftige Unterstützung bei der Vorbereitung der Stereoskopiker-Tagung am 7. und 8. April 1954 in Köln sowie Carl Weiß vom Verlag Photo-Technik und Wirtschaft anlässlich seines 80. Geburtstags mit der Förderer-Medaille der DGS ausgezeichnet.
Ebenfalls fand eine längere Aussprache über beabsichtigte Ortsgruppengründungen statt.

Im Ergebnis dieser Diskussionen fanden sich in Hannover einige DGS-Mitglieder zu einer Ortsgruppengründung zusammen.

Der Hauptverein in Berlin nahm nach der Sommerpause im Oktober seine monatlichen Veranstaltungen mit einem Vortrag von Dr. Vierling über das Stereosystem der Zeiss-Ikon A.-G. wieder auf.

Auch 1955 wurde wieder zu einem Leistungswettbewerb mit Einsendeschluss am 15. November aufgerufen.
In der Auswertung dieses Wettbewerbs wurde von einer regen Beteiligung berichtet. Vor allem aber hatte sich die Qualität der eingesandten Stereobilder gegenüber früheren Wettbewerben nicht unwesentlich gesteigert. Technische Mängel waren kaum noch zu beanstanden. Die gestiegene Qualität kam auch darin zum Ausdruck, dass der 1. Preisträger 1954 von 100 möglichen Punkten 64 und 1955 90 Punkte erreichte.
Die Industrie und Freunde der Gesellschaft stifteten wieder zahlreiche Preise.
Den ersten Preis, verbunden mit der Meisterschaftsmedaille der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie für 1955, erhielt mit 90,3 Punkten Dr. med. dent. Werner Pietsch aus Leipzig. Abbildung 3.7 zeigt ein Halbbild der sechs ausgezeichneten Bilder von Dr. Pietsch. Darüber freute man sich sogar in der damaligen DDR und schrieb in der Zeitschrift "Die Fotografie" (VEB Wilhelm Knapp Verlag, Halle an der Saale), Heft 5, Mai 1955, auf Seite 134:

"Eine preisgekrönte Stereoaufnahme
In dem Leistungswettbewerb 1955 der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie e. V. ist bei stärkster internationaler Beteiligung die silberne Medaille an die DDR gefallen. Träger des 1. Preises ist der den Lesern der Fotografie durch zahlreiche Aufsätze bereits bekannte Leipziger Stereoskopiker Dr. Werner Pietsch.
Die hier wiedergegebene Farbaufnahme (siehe Abb. 3.7) ist die Reproduktion eines Halbbildes von 6, mit dem 1. Preis ausgezeichneten Stereobildern, die sämtlich mit der Belplasca auf Agfacolor-Umkehr Ultra T 16/10? DIN aufgenommen wurden.
Die Verleihung der silbernen Medaille, die mit der Anerkennung der Raumbild-Meisterschaft für 1955 verbunden ist, ist nicht nur für den Preisträger, sondern auch für das Belca-Werk und die Filmfabrik Agfa in Wolfen ein schöner Erfolg!"

Preisgekrönte Stereoaufnahme von Dr. Werner Pietsch
Abbildung 3.7

Bei dieser Wertschätzung, die der DGS in der DDR nach diesem Artikel entgegengebracht wurde, ist es in den späteren Jahren nicht geblieben. Für die DDR war die DGS eine unliebsame Organisation, wie in dem Buch "Mit meinen Augen" von Heinz Otto genauer nachgelesen werden kann.

Der Vorstand der DGS nahm die bereits in den Vorkriegsjahren bestehenden engen Beziehungen zum Verband Deutscher Amateurfotografen-Vereine (VDAV) wieder auf. Am 1. Januar 1956 wurde die DGS eine Bundesgruppe Stereoskopie mit den Rechten und Pflichten eines Gaues. Die DGS-Mitglieder waren damit zugleich korporative Mitglieder des VDAV und berechtigt, an dessen Veranstaltungen teilzunehmen. Bei den Verbandsveranstaltungen sollten künftig auch wieder Stereobilder in besonderen Abteilungen gezeigt werden. Die DGS war für alle Stereofragen innerhalb des VDAV zuständig. Damit erhoffte man sich, dem Stereobild auch in Amateurkreisen mehr Geltung und eine größere Verbreitung zu verschaffen.

Die Jahreshauptversammlung fand am 26. Januar 1956 statt. Dort wurde beschlossen, ab 1957 einen Teuerungszuschlag von 1 DM zum Jahresbeitrag zu erheben. Wer auf die Zeitschrift "Fotopost" verzichtete, konnte dadurch einen niedrigeren Beitrag zahlen.

Es war stets das Ziel der DGS, die Stereoskopie auf ein wissenschaftliches Niveau zu heben. Als Ergebnis einer langjährigen Zusammenarbeit der DGS mit dem Deutschen Normenausschuss konnten 1956 folgende Normblätter erscheinen:

DIN 4531 Blatt 1: "Stereoskopie (Raumbildwesen), Begriffe".
DIN 4531 Blatt 2: "Stereoskopie (Raumbildwesen), Bildformate, Bildanordnung, Rahmenabstand".

Anlässlich der vom 29. September bis 7. Oktober in Köln stattfindenden "photokina" wurde im Brauhaus "Sion" in der Nähe des Doms für den 29. September sowie den 1., 3. und 5. Oktober ab 19 Uhr ein Zimmer reserviert, um allen Stereofreunden Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und Gedankenaustausch zu geben. Die vier Abende erfreuten sich eines lebhaften Zuspruchs.
Am Ausstellungsstand der Firma View-Master Deutschland und am Stand des VDAV lagen Informationen für DGS-Mitglieder aus.
Dank des Entgegenkommens der Ausstellungsleitung konnte auch die DGS im Rahmen der Bilderschau "Belehren und Werben" auf der Empore der Halle 3 eine Reihe ausgesuchter Stereoaufnahmen zeigen. Die Betrachtungsgeräte dafür stellte die Zeiss-Ikon AG zur Verfügung.

Auch 1956 wurde wieder ein Leistungswettbewerb durchgeführt, diesmal gemeinsam mit dem VDAV. Die Teilnahmebedingungen änderten sich insofern, als nur noch Mitglieder der DGS oder anderer Vereine des VDAV teilnehmen durften und jeder Teilnehmer nur noch drei Stereobilder einreichen konnte. Die Bildqualität, insbesondere die technische Qualität, hatte sich bei diesem Wettbewerb erneut verbessert.
Die Bilder wurden nach vier Gesichtspunkten bewertet:

1. Motivwahl und Bildgestaltung
2. Raumaufgliederung
3. fototechnische Qualität und
4. Bildmontage.

Das Preisgericht bestand aus Dr.-Ing. Lüscher, Dr.-Ing. Atorf und Köhr. Sieger des Wettbewerbs wurde Karl-Heinz Hatlé aus Leverkusen, dem auch die Meisterschaftsmedaille der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie zugesprochen wurde. Die ersten drei Preisträger erhielten ferner eine Medaille des VDAV.
Weiterhin stiftete die Industrie wieder eine Reihe von Preisen.

Teilnehmer der ersten Tagung der Sektion Stereoskopie 1957
Abbildung 3.8

Am 1. Januar 1957 wurde in Leverkusen unter der Leitung von Karl-Heinz Hatlé eine Landesgruppe Rheinland-Westfalen gegründet. Abbildung 3.8 zeigt eine Aufnahme von der ersten Tagung der "Sektion Stereoskopie" im Foto-Film-Club "Bayer" e. V. Leverkusen am 10. Februar 1957, die sich unter diesem Namen als Landesgruppe der DGS gegründet hatte.

Am 21. Januar 1957 fand die Hauptversammlung in Berlin statt.
Auf dieser Versammlung wurde eine leichte Erhöhung der Mitgliedsbeiträge beschlossen. Sie staffelte sich wie folgt:

mit Bezug der Fotopost ohne Bezug der Fotopost
Berliner Mitglieder: 20,00 DM 13,00 DM
Auswärtige Mitglieder: 16,00 DM 7,00 DM
Mitglieder im Ausland: 18,00 DM 7,00 DM
Korporative Mitglieder: 50,00 DM 50,00 DM

Studenten und Jugendliche unter 20 Jahren zahlten nur den halben Beitrag, jedoch ohne Zeitschriftenbezug.

Durch eine Satzungsänderung wurde beschlossen, den Vorstand nur noch alle drei Jahre neu zu wählen. Der Begriff "Geschäftsjahr" wurde durch "Geschäftsperiode" ersetzt.

Anfang 1957 gab es auch Bestrebungen, eine Landesgruppe Hessen bzw. eine Ortsgruppe Frankfurt am Main zu gründen.
Ende 1957 kam es dann zur Gründung der Ortsgruppe Frankfurt am Main unter der Leitung von Herrn Heidelauf.

Auch in Niedersachsen hatte sich inzwischen eine Ortsgruppe Hannover unter der Leitung von Dr. Rosse gegründet.

Beim Hauptverein in Berlin fanden weiterhin, mit Ausnahme der Sommermonate, die monatlichen Treffen statt. Beispielhaft sei über den Vortragsabend am 22. März 1957 in der Landesbildstelle in Berlin berichtet. Vor etwa 120 Mitgliedern und Gästen hielt der damals aus der DDR kommende Heinz Otto einen Vortrag mit dem Titel "Frühling am Main – eine Fahrt auf den Spuren Riemenschneiders und berühmter Baumeister der Barockzeit". Vor Beginn seines Vortrags erläuterte Herr Otto wegen der zahlreich erschienenen Gäste die Grundzüge der Stereoskopie und das Prinzip der stereoskopischen Projektion mit polarisiertem Licht in prägnanter und leicht verständlicher Form. Danach leitete er mit Nachtaufnahmen aus seiner Heimatstadt Leipzig und dem nächtlichen Kurfürstendamm zu seinem Vortrag über. Im Anschluss bedankte sich Herr Lüscher im Namen der Teilnehmer für den interessanten Vortrag, der aus kunsthistorischer Sicht über den Rahmen bisheriger Vorträge hinausging. Danach fanden sich die Teilnehmer zu einem geselligen Beisammensein im Hansa-Restaurant zusammen.

Abbildung 3.9

Auch die schon traditionellen Stereoausflüge in den Sommermonaten wurden fortgeführt. So sei über einen Ausflug am 18. August 1957 berichtet, zu dem sich etwa zwei Dutzend Berliner Stereoskopiker am Bahnhof Wannsee trafen:

"Nach einer Waldwanderung vorbei am ehemaligen Jagdschloß Dreilinden und entlang der Zonengrenze konnte in der herrlich am Teltowkanal gelegenen Gaststätte Kohlhasenbrück unter freiem, inzwischen aufgeklartem Himmel das Mittagsmahl eingenommen werden. Der Nachmittagsspaziergang zum Gasthaus "Albrechts Teerofen" bot trotz gelegentlicher Regenspritzer viel Gelegenheit zu manch reizvoller Stereoaufnahme. In bester Stimmung ging es von dort mit dem Motorboot nach Wannsee zurück. Ein anregender und abwechslungsreicher Tag mit mehr oder weniger reicher Stereo-Ausbeute, je nach Temperament, fand damit sein Ende." (VDAV-Nachrichten in "Fotopost" Heft 10, 1957, Seite 62)

Auch die Stereo-Stammtische, die des Öfteren Gelegenheit zum Gedankenaustausch geben sollten, wurden neben den üblichen Vortragsabenden durchgeführt. Diese zwanglosen Zusammenkünfte fanden in der Gaststätte "Moselstube" statt. Dort stand ein separates Vereinszimmer zur Verfügung, in dem jederzeit Stereobilder projiziert werden konnten.
Ab Mitte 1958 fanden diese Veranstaltungen im Restaurant "Domklause" am Hohenzollerndamm statt.

Die Winterveranstaltungen begannen am 25. Oktober 1957 mit einem Vortrag von Heinz Otto. Herr Otto führte in der Landesbildstelle Berlin vor etwa 250 Mitgliedern und Gästen Stereobilder über seine Italienreise vor. Auch bei diesem Vortrag wurde wieder die hohe Qualität gewürdigt.
Abbildung 3.9 zeigt den Vorsitzenden Dr.-Ing. Lüscher und Frau Otto bei einem der zahlreichen von Heinz Otto gezeigten Vorträge.

Wie alljährlich veranstaltete die Deutsche Gesellschaft für Stereoskopie e. V. auch 1957 zusammen mit dem Verband Deutscher Amateurfotografen-Vereine (VDAV) einen Leistungswettbewerb für Stereoskopiker unter dem Motto "Meine 3 besten Stereobilder des Jahres". Teilnahmeberechtigt waren wieder alle Stereoskopiker aus Deutschland, unabhängig von einer Vereinszugehörigkeit, sowie Mitglieder der Österreichischen Gesellschaft für Stereoskopie und Ausländer, die Mitglieder der DGS waren. Einsendeschluss war der 31. Oktober 1957. Die als geeignet befundenen Bilder wurden in einer Stereoausstellung gezeigt, die im Winter 1957/58 bei der Landesbildstelle in Berlin stattfand.
Die Preisverleihung fand am Dienstag, dem 10. Dezember 1957, in der Landesbildstelle in Berlin statt.
Auch dieser Wettbewerb wurde als voller Erfolg gewertet. Sieger des Wettbewerbs und Gewinner der Meisterschaftsmedaille für 1957 wurde Walter Grollmitz aus Berlin. Die ersten drei Preisträger erhielten je eine goldene, silberne und bronzene Medaille des VDAV.
Ferner wurde je ein Sonderpreis für das beste Stereoporträt an Ing. Michael Strobl aus Budapest und für die beste Stereoaufnahme mit Stereovorsätzen an Joachim Perkulen aus Kiel vergeben.

Porträt von Erwin Käsemann
Abbildung 3.10

Am 16. Januar 1958 fand die Mitglieder-Hauptversammlung statt.
Durch den Tod des Schriftführers Otto Derda mussten einige Leitungsposten durch eine Ergänzungswahl neu besetzt werden.
Auf Antrag des Vorstands wurde Erwin Käsemann (Abbildung 3.10) in Oberaudorf anlässlich seines 50. Geburtstags einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt.
Weiterhin wurden einige kleine Satzungsänderungen beschlossen.

Anfang 1958 kam es auch in Hamburg unter der Leitung von Franz Schupp zur Gründung einer Ortsgruppe der DGS.

Am 12. und 13. Februar 1958 hatte die Gesellschaft zu zwei Vortragsabenden in die modernen Räume der Zahn- und Kieferklinik der Freien Universität Berlin eingeladen. An beiden Abenden sprach Heinz Otto über seine Reisen "Kreuz und quer durch Italien" vor einem Zuhörer- und Zuschauerkreis, der den großen Saal des Instituts bis zum letzten Platz füllte.

Mitte des Jahres legte das Ehrenmitglied Ernst Schlumberger aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als Kassenwart nieder, das er über 25 Jahre ausgeübt hatte. Er war von Anfang an eines der aktivsten Mitglieder der DGS.

Auch auf der "photokina" in Köln, die vom 27. September bis 5. Oktober 1958 stattfand, lag in Halle 8 am Stand 8007 ein Treffbuch für Stereofreunde aus. Der Stand war zwar sehr klein, für den Stereofreund aber wohl der interessanteste der ganzen Ausstellung. Er gehörte der auf Stereogeräte spezialisierten Firma "Der Stereo-Derpsch" (Abbildung 3.11) in Bruchköbel bei Hanau und wurde gemeinsam mit dem Werbeunternehmen des Raumbildfotografen Karl-Heinz Hatlé aus Leverkusen betrieben. Dort wurde eine Fülle von in- und ausländischen Stereokameras, Betrachtern und Raumbildwerfern sowie Verarbeitungsgeräten praktisch demonstriert.
Am 29. September sowie am 1. und 3. Oktober fanden wieder Zusammenkünfte für Stereofreunde im Brauhaus "Sion" statt, die alle gut besucht waren.

Messestand der Firma Stereo-Derpsch auf der photokina 1958
Abbildung 3.11

Auch 1958 war ein Stereobildwettbewerb mit Einsendeschluss am 31. August ausgeschrieben. Der Termin war bewusst früh angesetzt worden, weil anlässlich einer Verbandsausstellung zur 50. Jahrestagung des VDAV in München in den Räumen des Historischen Museums auch Wettbewerbsbilder in Stereobetrachtern und in einem Stereoprojektionsvortrag gezeigt werden sollten.
Neu an diesem Wettbewerb war, dass Berufs-Stereofotografen nur außer Konkurrenz teilnehmen durften. Alle anderen Teilnahmebedingungen entsprachen denen der Vorjahre.
Sieger dieses Wettbewerbs und damit Gewinner der Meisterschaftsmedaille der DGS für 1958 wurde wieder Professor Dr. Hohenleitner aus Innsbruck. Die ersten drei Preisträger erhielten je eine goldene, silberne und bronzene Medaille des VDAV. Auch standen wieder zahlreiche von der Industrie gestiftete Preise zur Verfügung.
Außer Konkurrenz wurde Heinz Otto aus Delitzsch bei Leipzig ein Sonderpreis für seine Leistungen verliehen.

Am 22. Januar 1959 fand wieder eine Mitglieder-Hauptversammlung in Berlin statt.
Dort wurde der Beitrag außer für korporative Mitglieder um 2 DM erhöht. Weiterhin wurde beschlossen, ab 1959 für alle DGS-Mitglieder eine Vereinsnadel mit den Initialen "DGS" für 2 DM zur Verfügung zu stellen.
Dieselbe Nadel, ergänzt um einen Kranz, wurde kostenlos an Mitglieder verliehen, und zwar:

nach zehn Jahren Mitgliedschaft mit bronzenem Kranz,
nach 20 Jahren Mitgliedschaft mit silbernem Kranz und
an Ehrenmitglieder und für besondere Verdienste mit goldenem Kranz.

1959 hatte die DGS 233 Mitglieder. Davon wurden 24 latent geführt, da sie in der DDR wohnten.
Einer Anregung aus der Versammlung folgend wurde Fritz Waack aus Berlin-Tempelhof beauftragt, ein Archiv guter Stereobilder anzulegen und für den Verein zu verwalten.

Der Leistungswettbewerb für 1959 war mit Einsendeschluss am 15. November 1959 ausgeschrieben. Jeder Teilnehmer durfte fünf Stereobilder einreichen. Die Preisverleihung fand am 10. Dezember 1959 im großen Hörsaal der Klinik für Zahn- und Kieferkrankheiten der Freien Universität Berlin-Wilmersdorf statt. Die Bilder wurden von Heinz Otto in Stereoprojektion vorgeführt und besprochen.
Gewinner des Wettbewerbs und damit auch der Meisterschaftsmedaille der DGS wurde Baurat Kurt Heidelauf aus Frankfurt am Main mit 82 von 100 möglichen Punkten. Auch gab es wieder die bronzene, silberne und goldene Medaille des VDAV für die drei Bestplatzierten. Mit Sonderpreisen ausgezeichnet wurden ferner:

Leo Hänsler aus Wuppertal-Elberfeld für das beste Stereo-Farbdia 6 × 13,
Karl-Heinz Hatlé aus Köln für das beste Farbdia 41 × 101,
Oberregierungsrat Dr.-Ing. Atorf für das beste O-Stereodia 5 × 5 cm und
Rolf Schneider für die besten Aufnahmen mit einer Einbildkamera.

Für den 24. September 1959 wurde in Berlin eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Dort wurde beschlossen, Joseph Mahler in Fiskdale, Massachusetts (USA), anlässlich seines 60. Geburtstags am 12. November 1959 zum Ehrenmitglied zu ernennen.

Auch in Bremen waren Bestrebungen zur Gründung einer Ortsgruppe unter der Leitung von Gustav Riesebieder im Gange.

1960 wurde im Einvernehmen mit der deutschen Vertretung des View-Master-Stereosystems innerhalb der DGS eine besondere View-Master-Stereo-Gruppe unter der Leitung von Friedrich Muttray aus Stuttgart ins Leben gerufen.

Die Hauptversammlung für 1960 fand am 12. Mai im Institut für Photogrammetrie der Technischen Universität Berlin-Charlottenburg statt.
Anfang 1960 betrug die Mitgliederzahl 204. Sie gliederte sich wie folgt: 55 aus Berlin, 121 aus dem Bundesgebiet, 5 aus der DDR und 23 aus dem Ausland.
Laut Satzung musste 1960 wieder ein neuer Vorstand gewählt werden.
Vor diesem Tagesordnungspunkt bat der langjährige Vorsitzende der Gesellschaft, Ministerialrat a. D. Dr.-Ing. Lüscher (Abbildung 3.12), mit Rücksicht auf sein fortgeschrittenes Alter und seinen Gesundheitszustand davon abzusehen, ihn erneut zum 1. Vorsitzenden zu wählen. Er sei jedoch bereit, dem neuen Vorstand mit seinen Erfahrungen und Kenntnissen zur Seite zu stehen.

Abbildung 3.12
Porträt von Dr.-Ing. Hans-Hermann Atorf
Abbildung 3.13

Die Neuwahl brachte folgendes Ergebnis:

1. Vorsitzender: Oberregierungsrat Dr.-Ing. Atorf, Berlin-Zehlendorf (Abbildung 3.13)
2. Stellvertretender Vorsitzender: Ministerialrat a. D. Dr.-Ing. Lüscher, Berlin-Wilmersdorf
3. Kassenwart: Karl Schulze, Berlin
4. Stellvertretender Kassenwart: Walther Fritz, Berlin
5. Schriftführer: Georg Diesel, Berlin-Siemensstadt
6. Stellvertretender Schriftführer: Walter Grollmitz, Berlin
7. Beisitzer: Frau Ruth Klein, Berlin
8. Stellvertretender Beisitzer und Gerätewart: Alfons Zinsenhofer
9. Archivar: Fritz Waack, Berlin-Steglitz

Die Geschäfte wurden in dieser Zeit jedoch weiterhin weitgehend von Dr.-Ing. Lüscher bis zu seinem Tod geführt.

Zur "photokina", die vom 24. September bis 3. Oktober 1960 stattfand, wurden am 26., 28. und 30. September 1960 wieder zwanglose Zusammenkünfte für Stereofreunde im Brauhaus "Sion" organisiert. Bei diesen Zusammenkünften war auch der Ehrenpräsident der Gesellschaft, Dr.-Ing. Lüscher, anwesend.
Treffpunkt der Stereoskopiker bei dieser Ausstellung war der Stand des Heering-Verlages, der zu dieser Zeit die "Fotopost" und damit auch den "Stereoskopiker" herausgab. An diesem Stand lag auch ein Treffbuch der DGS aus.
Mit besonderem Bedauern musste auf dieser "photokina" festgestellt werden, dass kaum neue Stereogeräte entwickelt wurden. Die Produktion der bisher gebauten Stereokameras wurde fast überall eingestellt. Die jahrelangen Bemühungen der DGS wurden damit zunichtegemacht, und die Verbreitung der Stereoskopie erlitt einen Rückschlag, zumindest auf der gerätetechnischen Seite.

Der Stereo-Wettbewerb für 1960 war für alle Stereoskopiker im In- und Ausland ausgeschrieben, die einem der FIAP angeschlossenen Verband angehörten, und hatte Einsendeschluss am 15. November 1960. Erstmals durften auch View-Master-Stereobilder eingereicht werden.
Die Preisverleihung fand am 15. Dezember 1960 im Hotel-Restaurant "Domklause" statt, wo zu dieser Zeit auch die regelmäßigen Zusammenkünfte der Berliner Stereoskopiker stattfanden.
Die eingesandten Stereobilder verteilten sich auf folgende Bildformate: 4 % 6 × 13-Farbdias, 6 % 6 × 13-Papierkopien, 22 % Stereo-Farbdias 5 × 5 (mit Vorsätzen aufgenommen), 60 % Farbdias 41 × 101 und 8 % View-Master-Farbstereos.
Den ersten Platz dieser Meisterschaft belegte Fritz Sablatnig aus Wien und erhielt dafür die Goldmedaille des VDAV. Bestes DGS-Mitglied wurde Heinz Otto auf dem 2. Platz. Er erhielt dafür die Meisterschaftsmedaille der DGS für 1960. Weiterhin wurden eine silberne und eine bronzene Medaille des VDAV an den 3. und 4. Platz vergeben.
Im Wettbewerb der View-Master-Stereobilder belegte Riis Jensen aus Kopenhagen den ersten Platz und erhielt einen Sonderpreis.

Wegen der Preiserhöhung für die "Fotopost" musste der DGS-Beitrag ab 1961 um einen Teuerungsaufschlag von 3,40 DM für das Inland und 5 DM für das Ausland erhöht werden.

Die Jahreshauptversammlung für 1961 fand am 26. Januar im Restaurant "Schultheiß" in Berlin-Wilmersdorf statt.
Die Mitgliederzahl verringerte sich auf 190, was sicher auch an der Beitragserhöhung lag, die durch den steigenden Preis für die "Fotopost" erforderlich geworden war.

Der Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie e. V. im VDAV, Herr Ministerialrat a. D. Dr.-Ing. Hermann Lüscher, ist nach mehrwöchigem Krankenhausaufenthalt in den frühen Morgenstunden des 26. März 1961 einem Herzschlag erlegen.
Die schlichte und würdige Trauerfeier fand im Kreis seiner Angehörigen, Freunde und Bekannten am Morgen des 30. März 1961 in der reich mit Blumen und Kränzen geschmückten großen Halle des Krematoriums Berlin-Wilmersdorf statt.

Da die Anschrift der Geschäftsstelle weiterhin in der Fechnerstraße lag, musste sie nun in die Schlettstadter Straße 116 in Berlin-Zehlendorf verlegt werden.

Am 15. Juni 1961 fand im Restaurant "Schultheiß" in Berlin-Wilmersdorf eine außerordentliche Hauptversammlung statt. Durch das Ableben von Dr.-Ing. Lüscher war die Neuwahl eines stellvertretenden Vorsitzenden erforderlich geworden. Vor der Wahl gedachte der Vorsitzende Dr.-Ing. Atorf in bewegenden Worten des verstorbenen Ehrenpräsidenten Dr.-Ing. Lüscher und würdigte dessen große Verdienste um die Gesellschaft.
Bei der anschließenden Wahl wurde Georg Diesel zum stellvertretenden Vorsitzenden der DGS gewählt.

Mit Ausnahme einer vom VDAV 1963 initiierten Leistungsschau zur Bundesfotoschau gab es von der DGS vorerst keine Stereowettbewerbe mehr. Die an Wettbewerben interessierten Mitglieder wurden aufgerufen, sich an den von der Österreichischen Gesellschaft für Stereoskopie ausgeschriebenen Wettbewerben oder an den in den USA veranstalteten "Stereo-Salons" zu beteiligen.
Jahreshauptversammlungen wurden nur noch alle drei Jahre durchgeführt, verbunden mit einer Neuwahl des Vorstands, wie es die Satzung vorschrieb.

Die Vortragsabende mit Stereoprojektionen sowie die Stereo-Stammtische fanden weiterhin im Restaurant "Schultheiß" in Berlin-Wilmersdorf statt.

Da der Bezugspreis der Zeitschrift "Fotopost" ab Januar 1963 entgegen den vorherigen Zusagen des Verlages erneut um 2 DM erhöht wurde, musste auch der Mitgliedsbeitrag der DGS um diesen Betrag erhöht werden. Die DGS-Mitglieder wurden nochmals darauf aufmerksam gemacht, dass der Bezug der "Fotopost" freigestellt ist. In diesem Fall würden die DGS-Mitglieder jedoch auch nicht mehr die den Heften der "Fotopost" beiliegenden VDAV-Nachrichten mit den Mitteilungen der DGS erhalten.
In einem Schreiben vom Dezember 1962 wurden alle DGS-Mitglieder über die Zusammenhänge informiert und gebeten, die Beitragserhöhung mitzutragen.

Abbildung 3.14

Die Zusammenkünfte beschränkten sich in dieser Zeit in erster Linie auf Stereodia-Vorführungen.

Am 3. Mai 1963 fand wieder eine Hauptversammlung der DGS im Restaurant "Schultheiß" statt. Dort wurde auch ein neuer Vorstand gewählt. Für den im Mai 1962 verstorbenen 2. Vorsitzenden Georg Diesel wurde Otto Sens neu in den Vorstand gewählt. Alle anderen Vorstandsämter wurden wieder bestätigt.

Am 20. Februar 1963 starb das Ehrenmitglied der DGS, Ernst Schlumberger, kurz nach seinem 76. Geburtstag. Er war eines der aktivsten Mitglieder der DGS und gehörte ihr seit ihrer Gründung an.

In dieser Zeit wurden verstärkt Stereobilder im "Stereoskopiker" gedruckt. Man wollte damit Aufmerksamkeit erwecken und hoffte auf neue Mitglieder. Abbildung 3.14 zeigt den Erlaufsee bei Mariazell in der Steiermark von E. G. Müller (Stereoskopiker 1963, Heft 1, S. 39) und Abbildung 3.15 einen Blick durch das Riesenrad im Wiener Prater von Fritz Sablatnig, Wien (Stereoskopiker 1964, Heft 6, S. 307).

Die Vortragsabende waren Ende 1964 aus Platzgründen in den Vortragssaal des Akademischen Vereins "Hütte" in Berlin-Charlottenburg verlegt worden. Die Stammtischabende fanden jedoch weiterhin im Restaurant "Schultheiß" statt.

Auf dem Verbandstag des VDAV 1963 in Bochum wurde die Stereofotografie auch unter die Wettbewerbe der Bundesfotoschau 1964 aufgenommen, und die Ausschreibung und Abwicklung wurden der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie übertragen.
Dieser Wettbewerb wurde von der DGS für Mitglieder der dem VDAV angehörenden Vereine mit Einsendeschluss am 1. Juli 1964 ausgeschrieben.
Eingereicht wurden 143 Stereodias von 35 Autoren. Darunter waren zwei Teilnehmer mit View-Master-Bildscheiben. Die Jurierung fand am 24. Juli 1964 statt. Zum Wettbewerb wurden 70 Stereodias angenommen. Die beiden Erstplatzierten, Herr Lefrancois und Herr Prof. Kahlau, erhielten die Leistungsmedaille des VDAV in Gold.
Mit 15 Einsendern und Stereobildern auf hohem Niveau stellten die Mitglieder der Österreichischen Gesellschaft für Stereoskopie fast die Hälfte aller Beteiligten. Jeder Einsender erhielt den Katalog der Bundesfotoschau, für jedes angenommene Stereobild zusätzlich ein Gedenkblatt.
Die von der Jury angenommenen Diapositive wurden anlässlich der Bundesdiaschau des VDAV 1964 in Berlin an drei Sonntagen den Besuchern in Stereoprojektion vorgeführt.
Ebenfalls hatte die DGS während der dreiwöchigen Dauer der Bundesfotoschau einen Stereostand mit Betrachtungsgeräten eingerichtet und beantwortete den Besuchern ihre Fragen zur Stereoskopie. Der Stand war stets gut besucht.

Abbildung 3.15

Mit dem Heft 7/1965 stellte die "Fotopost" ihr Erscheinen ein und ging im "Foto-Magazin" auf. Damit endete auch das Erscheinen des "Stereoskopikers". Im Heft 5/1965 erschien der letzte "Stereoskopiker", und dem letzten Heft 7/65 der "Fotopost" lag die letzte Beilage der VDAV-Nachrichten mit den Mitteilungen der DGS bei. Der Verlag des "Foto-Magazin" sah keine Möglichkeit, den "Stereoskopiker" in dieser Zeitschrift weiterzuführen. Eine eigene Zeitschrift herauszugeben war für die DGS zu dieser Zeit nicht möglich.

Die Situation war für die DGS recht schwierig geworden.
Der Tod einiger bedeutender Persönlichkeiten aus den Reihen der DGS führte zu personellen Einschnitten.
Die ständigen Preiserhöhungen des Verlages der "Fotopost" und die damit verbundenen Beitragserhöhungen der DGS führten zu einem nicht unerheblichen Rückgang der Mitgliederzahlen.
Das Erscheinen des Vereinsorgans "Der Stereoskopiker" wurde eingestellt.
Von der Industrie wurden fast keine Stereogeräte mehr hergestellt.

Die ernsthaften Stereoskopiker ließen sich jedoch den Mut nicht nehmen. Sie setzten sich mit aller Kraft für die Erhaltung der Gesellschaft und für die Popularisierung der Stereoskopie ein.

Wie es in der DGS weiterging, können Sie auf der Seite "Von Mitte der 1960er Jahre bis zur deutschen Wiedervereinigung" lesen.