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Theorie und Technik

Inhalt

Projektion

Die Projektion ist die schönste Form der Wiedergabe – und die anspruchsvollste. Auf der Leinwand wird jeder Montagefehler vergrößert, jede falsche Ausrichtung sichtbar, und die Augen haben keine Chance, kleine Unstimmigkeiten auszugleichen. Wer projiziert, muss die Geometrie beherrschen, nicht nur die Technik.

Polarisationsverfahren und Silberwand

Für die Bildtrennung hat sich bei der Projektion das Polarisationsverfahren durchgesetzt. Die beiden Projektionsstrahlen werden unterschiedlich polarisiert, die Zuschauer tragen eine Brille mit gekreuzten Polfiltern.

Die Polfilter im Projektor und in der Brille sind jeweils um 90 Grad zueinander gedreht. Dadurch bleibt für jedes Auge nur das passende Halbbild sichtbar. Als Projektionsfläche ist eine unversiegelte Silberwand erforderlich: Nur metallische Oberflächen erhalten die Polarisation bei der Reflexion. Auf einer normalen Leinwand würde sie gelöscht, und beide Augen sähen beide Bilder.

Zwei Einzelprojektoren mit Polfiltern vor den Objektiven
Zwei Einzelprojektoren mit Polfiltern

Die Projektion kann mit einem speziellen Stereoprojektor erfolgen, bei dem die Polfilter eingebaut sind, oder mit zwei Einzelprojektoren, bei denen die Filter vor den Objektiven sitzen. Die zweite Lösung ist flexibler, die erste leichter zu justieren.

Ein Rest an Durchlass lässt sich nie ganz vermeiden. Bei sehr hohem Kontrast entstehen dadurch leichte Geisterbilder. Deshalb sollte man schon bei der Aufnahme auf einen nicht zu hohen Kontrast achten und eine hochwertige Silberwand verwenden.

Das Scheinfenster auf der Bildwand

Grundsätzlich wird so projiziert, dass das stereoskopische Scheinfenster auf der Bildwand liegt. Dann erscheint das Bild so, wie es montiert wurde: hinten der Raum, vorn die Bühnenöffnung.

Das gelingt nur bis zu einer bestimmten Bildgröße. Mit zunehmender Vergrößerung wachsen auch die Abstände der Fernpunkte. Irgendwann liegen sie weiter auseinander, als es die Augen verkraften. Dann richtet man die Strahlengänge nicht mehr nach der Rahmenbegrenzung aus, sondern nach dem Abstand der Fernpunkte. Das Scheinfenster schwebt frei vor der Leinwand.

Die 65-Millimeter-Regel

Der Augenabstand beträgt im Mittel 65 mm. Projiziert man weiter entfernte Punkte mit einem größeren Abstand als 65 mm, müssen die Augen nach außen schielen – eine Divergenz, die beim natürlichen Sehen nicht vorkommt.

Daraus folgt die wichtigste Regel der Projektion: Identische Fernpunkte dürfen auf der Bildwand höchstens 65 mm auseinanderliegen. Werden sie weiter auseinandergezogen, kommt es zu Doppelbildern, Kopfschmerzen oder die Verschmelzung bleibt ganz aus.

Toleranz nach Betrachtungsabstand

In der Praxis wird eine kleine Toleranz zugelassen. Sie beträgt ein Prozent des Abstands zwischen Bildwand und dem vordersten Zuschauer.

Die Toleranz ist kein Freibrief. Sie gilt für den vordersten Platz. Wer weiter hinten sitzt, hat mehr Spielraum, aber die Regel muss für den ungünstigsten Fall stimmen.

Die Grenze der Vergrößerung

Für das verbreitete Halbbildformat 24 × 30 mm ergibt sich aus der 65-mm-Regel und der maximalen Deviation von 1,2 mm eine Grenzvergrößerung:

β=BD=65mm1,2mm≈54

Rechnerisch sind also Vergrößerungen bis etwa 54 möglich. In der Praxis rechnet man mit β = 50, um einen Sicherheitsabstand zu haben. Bis zu dieser Vergrößerung kann das Scheinfenster auf der Bildwand liegen. Darüber hinaus werden die Strahlengänge nach dem Fernpunktabstand ausgerichtet. Für das Format 24 × 36 mm gilt derselbe Wert, weil beide Formate in der Praxis meist gemischt projiziert werden.

Formate und maximale Deviation

Weil die zulässige Deviation von der Halbbildbreite abhängt, ergeben sich für die einzelnen Formate unterschiedliche Werte:

Halbbildformat Maximale Deviation
24 × 23 mm 0,8 mm
24 × 30 mm 1,2 mm
24 × 36 mm 1,2 mm
55 × 55 mm 1,8 mm

Der Richtwert von 1/30 der Halbbildbreite erklärt diese Zahlen. Beim quadratischen 24 × 23-mm-Format ist das Halbbild schmaler, also auch die zulässige Deviation kleiner. Wird es im gleichen Abbildungsmaßstab wie 24 × 36 mm projiziert, erscheint es kleiner und wird deshalb oft stärker vergrößert – dann muss die kleinere Deviation eingehalten werden.

Ausrichtung in der Praxis

  1. Projektoren auf gleiche Höhe und gleichen Abstand zur Wand ausrichten.
  2. Bilder deckungsgleich bringen, ohne die Polarisation zu verlieren.
  3. Höhenfehler beseitigen: identische Punkte müssen auf gleicher Höhe liegen.
  4. Scheinfenster prüfen: Rahmenkanten müssen deckungsgleich sein.
  5. Fernpunktabstand messen und gegebenenfalls die Vergrößerung reduzieren.
  6. Erst dann Publikum hereinlassen.

Wer diese Reihenfolge einhält, erspart sich den häufigsten Ärger: ein Bild, das auf dem Kontrollmonitor gut aussieht und auf der Leinwand unerträglich wird.

IMAX und andere Großformate

Das IMAX-Verfahren arbeitet mit sehr großem Filmformat und riesiger Projektionsfläche. Auch dort wird Polarisation zur Bildtrennung verwendet, allerdings nicht bei allen Produktionen – es gibt auch zweidimensionale IMAX-Filme. Für die eigene Arbeit ist weniger das Format entscheidend als die Geometrie: Die 65-mm-Regel gilt unabhängig von der Bildgröße.

Was von der Montage bleibt

Die Projektion ist die strengste Prüfung einer Montage. Was im Stereoskop noch akzeptabel erscheint, fällt hier auf. Deshalb lohnt es sich, jedes Bild, das projiziert werden soll, vorher unter Projektionsbedingungen zu prüfen – und die Montage entsprechend sorgfältig zu machen. Die Regeln dafür stehen unter Montage und Rahmung.